Geschichte

Ouvertüre // Wie alles begann

 

Man schrieb den 23. September 1883, als die Herren Amtsrichter Neuhaus und Dr. Röhrer einen Aufruf an alle sangeslustigen Damen und Herren der Stadt richteten zwecks Gründung eines Musikvereins (Gelsenkirchen hatte damals 18.000 Einwohner!). Dem Rufe folgten 22 Damen und 18 Herren, die sich zur ersten Chorprobe am 3. Oktober in der Gastwirtschaft Heuser in der Munckelstraße einfanden. Im kleinen Saal dieser Wirtschaft trat der Musikverein am  17.  Februar 1884 erstmalig öffentlich auf. Der gemischte Chor entwickelte sich aus einer Bevölkerungsschicht mit höheren musikalischen Ansprüchen. Das heimische Publikum sollte die Werke der „alten Meister” kennenlernen; in einer von Industrie geprägten Arbeiterregion keine leichte Aufgabe. Die Dirigenten besaßen im damaligen Ruhrgebiet Rang und Namen. Chorleiter der ersten Stunde war der Königliche Musikdirektor Witte aus Essen.

 

1. Satz // Der Musikverein im Jahre 1910

 

Bis Ende des 1. Weltkriegs war der Musikverein der alleinige Träger des Konzertlebens in Gelsenkirchen. Nicht nur Chorkonzerte, sondern auch Sinfoniekonzerte wurden vom Musikverein bestritten. In Anerkennung seiner Verdienste wurde ihm von der Stadtverwaltung bereits 1907 die Bezeichnung „Städtischer Musikverein” verliehen. Das erste Probenlokal, die Gastwirtschaft Heuser, musste 1925 dem Neubau des Hans-Sachs-Hauses weichen, das mit seinem großen Konzertsaal der gleichen Zweckbestimmung diente.

Die Passion für den Laiengesang und die Hingabe an die Erarbeitung der großen Chor- und Oratorienliteratur wurde stets von tüchtigen Dirigenten – es waren sechs bis zum 2. Weltkrieg – wachgehalten mit dem Ziel und dem Ergebnis künstlerischer Erfüllung. Allerdings kam 1943, nachdem die  9. Sinfonie von Beethoven als letztes Konzert aufgeführt wurde, die Probenarbeit völlig zum Erliegen.

 

2. Satz // Neuorientierung nach 1945

 

Ein Neuanfang wurde im August 1945 gemacht, als sich rund 17 Sänger und  Sängerinnen zur ersten Chorprobe einfanden. Der Chorleiter, der ab diesem Zeitpunkt bis zum Jahre 1976 den Musikverein übernahm, hatte eine schwere Aufgabe vor sich: den Städtischen Musikverein wieder neu aufzubauen. Eugen Klein, Musikpädagoge am Schalker Gymnasium gelang dieses Kunststück unter großem Einsatz. Bereits im Dezember 1945 wurde in der „Schauburg” Buer – das Hans-Sachs-Haus konnte wegen Beschädigung nicht genutzt werden – das „Deutsche Requiem” von Johannes Brahms aufgeführt. Die Mitgliederzahl des Musikvereins wuchs nun stetig an; die Aufführungen nahezu aller großen Chorwerke unter dem Dirigat von Eugen Klein im Hans-Sachs-Haus waren mehr als drei Jahrzehnte Tradition im Kulturleben der Stadt Gelsenkirchen. In den Kriegsjahren hatte die Stadt Gelsenkirchen dem Musikverein den lang geführten Titel eines „Städtischen Oratorienchores” entzogen. Da die Konzerte im Zusammenspiel mit dem Städtischen Orchester viele Zuhörer anlockten, sah sich die Stadtverwaltung veranlasst, im Jahre 1956 den Musikverein als „Städtischen Musikverein Gelsenkirchen e.V.” wieder in ihre Obhut zu nehmen. 

 

3. Satz // Weitere Entwicklungen

 

Seit 1992 ist der Musikverein zwar noch „städtisch”, aber nicht mehr im Finanzplan der Stadt Gelsenkirchen enthalten. Für größere Chorkonzerte suchen wir deshalb neue Wege der Finanzierung, wie Partnerschaften und Sponsoring. In den Sinfoniekonzerten der Stadt ist der Musikverein Gelsenkirchen regelmäßig chorischer Partner der Neuen Philharmonie Westfalen. Mit dem Scheiden von Eugen Klein folgten die Chorleiter Frank Ziebler und Karl-Heinz Obernier. Danach übernahmen die jeweiligen Chordirektoren des Musiktheaters die Leitung des Musikvereins: Zunächst Julius Asbeck, dann Nandor Ronay sowie schließlich Christian Jeub.

 

Von 2007 bis 2017 erfuhr der Chor unter Christian Jeubs Leitung eine entscheidende Weiterentwicklung. Unter großem persönlichen Einsatz hob er den Chor künstlerisch auf ein neues Niveau. Darüber hinaus gelang es ihm, den Chor in seinem öffentlichen Auftreten zu professionalisieren, dauerhaft neue Mitglieder zu gewinnen, bestehende Partnerschaften zu pflegen sowie neue aufzubauen. Zudem rief er unser Stipendiatenprogramm ins Leben, das darauf abzielt, Nachwuchssänger gezielt weiterzubilden und an unseren Chor zu binden.

 

Seit Dezember 2017 ist Stefan Glaser neuer künstlerischer Leiter des Städtischen Musikvereins Gelsenkirchen.